Wenn Bilder leuchten und Geschichten erzählen

Wenn Bilder leuchten und Geschichten erzählen

von Luca Sassermann

„Fotografie“ bedeutet „mit Licht zeich­nen“. Im Doku­men­tarfilm wird diese Zeich­nung zum Zeug­nis: Licht macht sicht­bar, was son­st im Ver­bor­ge­nen bliebe. Genau darin liegt sein Kern. Licht entschei­det über Sicht­barkeit. Der­ar­tige Bilder lassen sich nicht pla­nen, son­dern entste­hen vielmehr aus der Wirk­lichkeit selb­st. 

Im Fes­ti­val­pro­gramm des tüDOK begeg­nen uns viele solch­er Licht­blicke: der Schein­wer­fer, der in Queens of Joy eine Dragqueen zum Strahlen bringt, das Dis­col­icht um DJane Vika! oder die Sonne über dem Sport­platz in Im Osten was Neues. Diese Augen­blicke zeigen Real­ität in ihrer ver­let­zlichen, ehrlichen Form. Der Doku­men­tarfilm hält sie fest und teilt sie mit uns. 

Anders als der Spielfilm arbeit­et der Doku­men­tarfilm meist mit Avail­able Light, also dem Licht, das bere­its vorhan­den ist. Tageszeit­en und ver­schiedene Lichtquellen bes­tim­men Stim­mung und Dra­maturgie. Far­ben ver­stärken diese Wirkung: warme Töne ver­mit­teln Nähe, kalte Töne schaf­fen Dis­tanz. In Azza betont das grelle Son­nen­licht die Härte der Wüste. In Haus­num­mer Null macht das rohe Licht des Straßen­lebens einen All­t­ag unmit­tel­bar erfahrbar. 

Am Licht zeigt sich, wie nah ein Film der Real­ität kommt. Oft ist es ein stiller Erzäh­ler, der Emo­tio­nen ver­mit­telt, noch bevor Worte fall­en. Und am Ende sind es die Licht­blicke, die im Gedächt­nis bleiben: Momente, in denen Wirk­lichkeit aufscheint.

Foto von Kil­lian Car­tig­nies auf unsplash